EIN SCHLACHTFELD DER IDEOLOGIEN

Eine Einführung in das welt-zentrierte Erzählen

Viele erfolgreiche Geschichten beginnen damit, dass sie uns neben den handelnden Figuren auch eine Welt vorstellen: die Welt der Geschichte. Eine gut erzählte und recherchierte Welt spielt nicht erst eine Rolle, seit es Drama-Serien und Cinematic Universes gibt, aber ihre Bedeutung für das horizontale Erzählen kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Dabei ist eine solche Storywelt mehr als ein bloßes Setting, ein Milieu oder ein historischer Hintergrund. Sie ist ein Ort der ständigen Auseinandersetzung, eine globale Konfliktzone und ein Schlachtfeld der Ideologien. Figuren kämpfen in dieser Welt nicht ausschließlich für ihre persönlichen Ziele, sondern operieren als Avatare und Avatar*innen ihrer jeweiligen Werte-Systeme bzw. der Werte-Systeme ihrer Gruppe. Ein Figurenensemble wird so auch zu einem Ensemble der Perspektiven auf ein Thema, wobei die interessantesten Figuren häufig die „Grenzgänger“ sind, die durch ihr Handeln herrschende Ideologien in Frage stellen oder zumindest zwischen den verschiedenen Lagern hin und her wechseln können. Auch der Zuschauende spielt in diesem Gefüge eine wichtige Rolle: Seine Verbundenheit gilt weniger den Figuren, als vielmehr den Werten, für die sie stehen. Der Fokus bei dieser Art des Erzählens verschiebt sich als vom Ich zum Wir, was das „welt-zentrierte Erzählen“ oder „world-driven storytelling“ zur Dramaturgie einer globalen Weltordnung macht.

Texte zum Thema "World-Driven"

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Eine Stadt, zwei Welten: Das Berlin zur Zeit des Kalten Krieges